Commerzbank will Auslandsgeschäft ausbauen

Gegenüber Unicredit setzt die Commerzbank auf eine ambitionierte Alleinstellungsstrategie. Den Beitrag des Firmenkundengeschäfts erläutert Michael Kotzbauer.

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Thomas Holzamer

Der Beitrag erschien zuerst bei Finance online am 31.03.2025

01.04.2025

Michael Kotzbauer sitzt in einer Gespächssituation gestikulierend an einem Tisch. Seine über die rechte Schulter fotografierte Gesprächspartnerin sitzt ihm gegenüber.
Commerzbank-Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer will im Auslandsgeschäft wachsen.© Pavel Becker
4,2 Milliarden Euro Gewinn, 50 Prozent Cost-Income-Ratio und eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent: Die Ziele, die sich die Commerzbankspitze in der auf den Namen „Momentum“ getauften Strategie bis 2028 gesteckt hat, sind ambitioniert. Mit dieser will Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank ihren Aktionären zeigen, dass sie es im Übernahmekrimi mit der italienischen Unicredit mit ihrer Alleinstellungsstrategie ernst meint. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll das Firmenkundengeschäft der Frankfurter leisten. Wie das gelingen soll, erläutert Commerzbank-Vize und Firmenkundenvorstand Michael Kotzbauer im Interview.

Herr Kotzbauer, um die bis 2028 gesetzten Ziele zu erreichen, setzt Ihr Haus unter anderem auf deutliches Wachstum im Firmenkundengeschäft – speziell auf der Provisionsseite. Allerdings ist der Markt hierzulande stark umkämpft. Womit will die Commerzbank bei den Unternehmen punkten?
Indem wir uns weiterhin auf das fokussieren, was unsere Kunden benötigen. Wir begleiten unsere deutschen Firmenkunden seit 155 Jahren bei ihrem Geschäft hierzulande und in mittlerweile mehr als 40 Ländern weltweit.

Bei der Präsentation der Strategie hat CEO Bettina Orlopp betont, dass die Bank ihr internationales Geschäft weiter ausbauen möchte. Ist das die Rolle rückwärts, nachdem in den vergangenen Jahren 15 Auslandsstandorte geschlossen wurden?
Nein, im Gegenteil. Wir wollen dort präsent sein, wo unsere deutschen Kunden uns brauchen. Ich sehe das gerne als die beiden Pfeiler der Brücke, die wir für unsere Firmenkunden in die Welt schlagen wollen. Mit unserem Angebot begleiten wir unsere heimischen Kunden ins Ausland und ermöglichen ausländischen Kunden gleichzeitig auch den Weg zurück in unsere Heimatmärkte hier in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wir haben zum Beispiel 2023 eine Repräsentanz in Marokko eröffnet und sind aktuell die deutsche Bank mit den meisten Offices auf dem afrikanischen Kontinent. Wenn dort Infrastrukturinvestitionen getätigt werden, sind wir mit unseren Kunden automatisch dabei.

Planen Sie aktuell weitere Repräsentanzen?
Ja, im Mai eröffnen wir ein neues Büro in Pakistan. Das verbessert unsere Marktdurchdringung Outside-China und zahlt auf unsere Wachstumspläne in Asien ein, wo wir unsere Kunden eng begleiten wollen.

Commerzbank sieht USA und Asien als Wachstumsfelder

Hervorgehoben haben Sie bei der Präsentation der Strategie besonders die USA und den asiatischen Markt als Wachstumsfelder. Aber warten zum Beispiel US-Unternehmen mit ihren heimischen Hausbanken wirklich auf eine deutsche Bank mit einem Schwerpunkt im Mittelstand?
In der Begleitung von dortigen Unternehmen bei Investitionen auf dem deutschen und europäischen Markt sehen wir definitiv Bedarf. Und das ist für uns auch kein neues Element – in den USA sind wir seit 1967 mit einer Repräsentanz und seit 1971 sogar mit einer Filiale präsent und haben eine gute Risikoeinschätzung. Gleichzeitig haben die Investitionen hiesiger Unternehmen in den Vereinigten Staaten zuletzt zugenommen – und wir werden dort in den kommenden Jahren deutlich mehr sehen.

In Asien sehen wir aktuell eine hohe Aktivität in einzelnen Sektoren wie Energie oder TMT – speziell in der Halbleiterbranche –, in denen wir unser Geschäft noch weiter ausbauen wollen und können. Was wir allerdings weiterhin nicht machen, ist lokales Geschäft mit Mittelständlern in den USA vor Ort. Gleiches gilt für unsere anderen Auslandsstandorte.

Ein Thema, das die Firmen hier in Deutschland stark umtreibt, ist die Digitalisierung. Trotz hoher Investitionen in teils dreistelliger Millionenhöhe kommen Banken aus Sicht der Kunden eher schleppend voran. Wird sich das kurzfristig ändern?
Wir sind auf einem guten Weg und investieren viel in die Weiterentwicklung unserer Angebote. Aktuell sind wir dabei, unsere Produkte im Handels- und FX-Plattformgeschäft weiter auszubauen. Gleiches gilt für den Ausbau des Transaction-Banking-Produktangebots in der Schweiz.

Commerzbank reicht mehr Kredite aus

Hierzulande sah es zuletzt ja nur bedingt nach einer Besserung der wirtschaftlichen Lage aus, dennoch wollen Sie im Finanzierungsgeschäft bis 2028 deutlich wachsen. Wie soll das gelingen?
Das stimmt, wir spüren natürlich den Gegenwind auf der Zinsseite und planen sehr konservativ. Gleichzeitig planen wir im Firmenkundengeschäft bis 2028 mit einem jährlichen Kreditwachstum von 8 Prozent. Den Schwerpunkt bilden dabei Fokussektoren wie Investitionen in Infrastruktur sowie Energie. Aber auch die Entwicklung bei angrenzenden Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) schauen wir uns an. Hier sehen wir weiteres Potential für uns. Im vergangenen Jahr lag das ausgereichte Kreditvolumen im Firmenkundensegment bei 104 Milliarden Euro.

Die künftige Bundesregierung plant mit ihrem Finanzpaket einen Impuls für die Wirtschaft. Welche Auswirkungen hat das?
Das geplante Sondervermögen ist darauf ausgerichtet, die veraltete Infrastruktur in Deutschland zu sanieren, was eine positive Auswirkung auf einzelne Subbranchen wie Bahntechnik, Energietechnik, Verteidigung und besonders die Baubranche haben wird. Wir erwarten, dass das Sondervermögen das Wirtschaftswachstum und die Produktivität steigert und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhöht. Dies allein wird jedoch nicht reichen, um den großen Nachholbedarf bei Infrastruktur, Verteidigung, Bildung, Fachkräftemangel und Altersvorsorge zu lösen. Hinzukommen müssen Anpassungen und Umschichtungen im Haushalt selbst.

Die nächste Regierung muss ganz grundlegende Reformen wagen, damit auch privates Kapital im ausreichenden Umfang für unsere Zukunftsaufgaben mobilisiert werden kann. Hierfür braucht es investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und eine Verbesserung der deutschen Standortbedingungen. Nur so können Deutschland und Europa wieder wettbewerbsfähig an der Spitze mitspielen und die Commerzbank als führender Finanzierungspartner für den Mittelstand ihrer Verantwortung gerecht werden.

Commerzbank will Rüstungsfinanzierung ausweiten

In welchen Sektoren rechnen Sie durch das Paket mit starken Zuwächsen?
Das Sondervermögen könnte erhebliche positive Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben, insbesondere für energieintensive, baunahe und strategische Branchen wie Verteidigung und Infrastruktur. Wenn man sich die einzelnen Sektoren anschaut, dürften besonders die Automobilindustrie, die Chemieindustrie sowie auch die Verteidigung profitieren: Die Automobilindustrie könnte positive Nachfrageimpulse bei einer möglichen E-Auto-Prämie bekommen. Unabhängig davon stehen wir an der Seite der Automobilindustrie und begleiten diese bei ihrer Transformation.

Die Chemieindustrie profitiert stark von Wachstum in anderen Branchen von Automobil, Verkehr und Verteidigung über Infrastruktur bis hin zum Wohnungsbau. Und im Bereich Verteidigung verzeichneten wir bereits 2024 ein hohes Wachstum; das dürfte sich fortsetzen. Denn wir erwarten eine Erhöhung der europäischen Investitionen in Kapazitäten und Fähigkeiten.

Einen enormen Finanzierungsbedarf gibt es vor allem im Bereich Rüstung. Der Risikovorstand Ihres Hauses, Bernhard Spalt, hat im Interview mit der F.A.Z angekündigt, dass die Commerzbank an dieser Stelle einen gewichtigen Anteil haben will. Wie hoch kann dieser sein?
Als Bank tragen wir innerhalb unserer Rüstungsrichtlinie sowie der gesetzlichen Vorgaben unseren Teil dazu bei, die notwendige Finanzierung für unsere Sicherheit und Verteidigung bereitzustellen. Daher finanzieren wir Rüstungshersteller, die Waffen und Rüstungssysteme für die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verbündeten in der EU produzieren. Transaktionen mit Bezug auf international geächtete Waffen sind damit beispielsweise ausgeschlossen.

Wenn man unser Geschäft heute anschaut, sind wir bei den großen deutschen Verteidigungsunternehmen bereits engagiert. Und – da unterscheiden wir uns von ausländischen Banken – auch bei mittelständischen Unternehmen, die wichtig in der Zuliefererkette sind. Das ist eine gute Ausgangslage.

Inwiefern müssen Sie dafür Ihre hausinternen ESG-Regularien anpassen?
Wir überprüfen unsere Nachhaltigkeitsstrategie regelmäßig, um diese auch an neue Entwicklungen anzupassen. Dabei spielen gesellschaftliche und politische Entwicklungen, regulatorische Neuerungen sowie Mindeststandards eine Rolle.

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